Gewalt beginnt nicht erst dort, wo sie sichtbar wird. Sie kann in Blicken liegen, in Sprache, in Zuschreibungen, im Gefühl, nicht gemeint oder nicht repräsentiert zu sein – und in der Art, wie wir erinnern. Wenn Gewalt viele Formen hat, dann muss auch Selbstverteidigung ein Spektrum haben. Mit der School of Self-Defense lädt die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz dazu ein, Selbstverteidigung neu zu denken – nicht nur als Reaktion, sondern als Praxis, die geteilt werden kann: im Körper, im Raum und im Miteinander.
Ausgangspunkt der School of Self-Defence ist die künstlerische Praxis von Davi Pontes und Wallace Ferreira. In ihren Arbeiten untersuchen die beiden Künstler*innen aus Rio de Janeiro, wie sich Gewalt in Körper einschreibt und wie mit eigenen Bewegungen darauf reagiert und Widerstand geleistet werden kann. Die School öffnet diese Praxis: Sie überträgt sie in einen kollektiven Raum, in dem sie geteilt, weitergegeben und von anderen Perspektiven aus erweitert werden kann. Mit ihrem Schwerpunkt auf Teilhabe und Mitsprache ist die School of Self-Defense ein offener Zusammenhang aus Workshops, Gesprächen, Performances, Ballroom-Veranstaltungen, Tanztheater und kollektiven Formaten. Künstler*innen, Denker*innen und Communities aus Berlin, Brasilien und darüber hinaus kommen zum Austausch und zur Wissensproduktion zusammen:
In den diskursiven Formaten analysieren Stimmen wie die Theoretikerin Denise Ferreira da Silva globale Zusammenhänge von Rassifizierung und Gewalt. Gespräche, unter anderem mit dem Tanztheoretiker André Lepecki, öffnen außerdem den Blick auf Performance als politischen Raum.
Ein Major Ball auf der Großen Bühne bringt internationale und lokale Szenen zusammen. In Kategorien wie Runway, Performance oder Realness werden Identität, Zugehörigkeit und Präsenz nicht nur dargestellt, sondern hergestellt. Ein Kiki Ball im Prater richtet sich insbesondere an Nachwuchs-Performer*innen und lokale Communities. Eingeladen sind insbesondere neue Stimmen, die hör- und sichtbar werden oder sich ausprobieren möchten.
Ergänzt wird das Wochenende durch Workshops, Vorträge und Gespräche mit internationalen Künstler*innen und Denker*innen: Die brasilianische Künstlerin Puma Camillê verbindet in ihrer Praxis Capoeira und Voguing und entwickelt daraus körperliche Strategien zwischen Kampfkunst und Performance. Ana Pi, ebenfalls aus Brasilien, arbeitet zu Körper, Erinnerung und diasporischen Narrativen und untersucht, wie sich Geschichte in Körper einschreibt. Der Künstler und Forscher Castiel Vitorino Brasileiro beschäftigt sich mit Körperlichkeit, Spiritualität und Widerstand als Formen kultureller Selbstbehauptung.